Vor einigen Woche sah ich einen sehr anschaulichen Bericht darüber, was ein Mensch wahr nimmt, wenn er sich mit Lichtgeschwindigkeit bewegen würde. Ein auf einen Punkt konzentriertes Lichtband mit vollkommen verzerrten Konturen. Ja, es hatte ein wenig was von der „wahnsinnigen Geschwindigkeit“ in Space Balls.


Was hat das mit meiner noch nicht toten Katze zu tun? Noch nichts, wartes ab
Im Übrigen, <italian slang> ich habe gar keine Katze </italian slang>

Am letzten Wochenende (20.10-21.10 ’12) fand in Leipzig zum wiederholten Male der Developer Open Space statt. Ich war zwar erst zum zweiten mal dabei, empfand es jedoch so, als wär ich schon immer da gewesen. Ein Treffen von (außen betrachtet) Nerds und „Verrückten“, die sich auch am Wochenende fortbilden möchten. Leider war es mir verwehrt schon am Freitag entweder selber einen Workshop zu halten oder zu besuchen, was jedoch den Gesamteindruck nicht im geringsten schmälerte. Gleich nach der Ankunft am Freitag Abend konnte ich mir von den Kollegen in der Hotelbar erzählen lassen, was tagsüber geschehen ist. Keine vier Stunden später war ich auf dem Laufenden und beschloss die verbleibenden 3 Stunden bis Beginn des offiziellen Teils zu schlafen. Nicht, das mich das irgendwie stören würde mal so wenig zu schlafen, aber schon tags zuvor gab es hier in Berlin eine Veranstaltung, die auch recht lang ging.

Egal… schlafen kann ich wenn ich in der Holzkiste liege, am Ende des Lebens

Sonnabend, mein erster Tag, zeigte schon, dass dieses Jahr ein Umbruch stattfinden wird. Nicht nur die Workshops am Freitag, nein auch der Twitter Hash wurde geändert und vor allem die Agenda war irgendwie anders. Anders im Sinne von weniger technisch. Klar, technische Themen waren auch da, aber irgendwie nicht mehr so präsent. Wenn ich jetzt noch mal drauf schaue sehe ich rAppid.js Server oder Micro Framework, keine wirklich typischen Themen. Was jedoch besonders ins Auge sticht, sind die vielen Softskills Themen. Jungs, ich bin zu Hause… Genau das ist meine Welt. Themen aus der Vogelperspektive, Methodiken, und vor allem Social Jobbing. Ich danke euch dafür.

Klar, dass ich sofort zu „Agile Schmerzen“ gehen musste. Meinen Senf und meine Sicht auf das Thema loswerden: Ein Team besteht nicht nur aus den Entwicklern allein, sondern auch aus allen anderen, die in irgend einer Weise etwas mit dem Produkt zu tun haben. Jeder muss wissen wie die Entwicklung des Produktes fortschreitet. Jeder, der Einfluss auf diesen Fortschritt haben kann, muss zwangsweise über diesen informiert werden. Und wie jeder weiß, agile Methodiken verlangen nach Kommunikation, Kommunikation in alle Richtungen. Punkt Ende Aus.

Danach eine kleine Pause zum Runterkommen bei DDD und CQRS und vor allem endlich die Möglichkeit Dennis Traub kennen zu lernen, zunächst als Moderator, später als Mensch 🙂

Ja gut, DDD und CQRS ist ja schon ein abgedroschener Hut, die meisten wollen es gerne einsetzten, wissen oft nicht wo genau und wenn dies geklärt sein sollte, dann fehlt es an der Motivation sich diesem schweren Schritt zu stellen, Software zu schreiben, die der Auftraggeber verstehen könnte. Da gebe ich dem Johannes Hofmeister vollkommen Recht, es ist offensichtlich ein spürbar schmerzlicher Prozess, sich aus den Fängen der technischen Implementierung zu befreien und in die Domainsicht einzusteigen. Wartets ab, früher oder später kommt der große Hammer… hihihi

Tja, was kam dann? Die Session für echte Kerle. WiXen für Profis, wo von Vorlagen und Configs gesprochen wurde… Jungs werded älter und reifer – ach ich vergas, ich bin ja älter aber genutzt hats nichts. Diese Session war überaus erholsam, lustig und schon allein die Art und Weise, wie Sebastian Seidel das Thema präsentierte eine Besuch wert.

Der Ausflug zur Kinect Session, ein Blick hinter die Kulissen eines Stück Hardwares, das durchaus beachtenswert ist. Wenn das so weiter geht, mit der Entwicklung, steht dem UI des Minorty Reports nichts mehr im Wege. Im Gegenteil, es geht sogar schon ein Stück weiter, Spracherkennung aller feinster Güte.

Nachdem nun der erste Tag rum war, wurde wieder einmal beschlossen, selbigen im Joseph Pub ausklingen zu lassen. Ich will ja keine Kameradensau sein und schließe mich, den dritten Tag infolge, nicht vom „Ausklingen“ aus. Ich fasse die dortigen Gespräche in einem Wort zusammen, muss jedoch aufpassen, dass dieses Wort nicht zu bersten droht, es lautet inspirierend. Damit ist alles gesagt. Ich kann nun guten Gewissens behaupten, der Weisheit in Stück näher zu sein, auch wenn man mir dies bei der konsumierten Menge Bier nicht zutrauen würde. Ich bin froh euch (ihr wisst schon) kennen gelernt zu haben.

Und nun, was ist mit der Katze?
Wartet ab…

Sonntag – ein Tag, der seinem Namen alle Ehre macht – beginnt mit dem Gefühl, trotz der wieder nur drei Stunden Schlaf, etwas zu erleben. Der Vorabend und die Nacht waren nicht das Ende, eher der Beginn. Und so kam es auch. Die Agenda versprach viel Freude an – na, richtig – Softskills oder besser „von Menschen, mit Menschen“-Themen.

Schon am Abend im Pub, hatte ich mich umgehört, welche Themen interessant sein könnten und heraus kam, dass vorrangig Themen angesprochen wurde, bei denen es um „wie kann ich andere Entwickler davon überzeugen, gute Software zu entwickeln?“ geht. Das fand ich überaus interessant, und tatsächlich konnte man dieses Thema wieder in der Agenda finden. Toll, mein Tag ist gerettet, mit anderen leidgeplagten Softwareentwicklern über die unfähigen Kollegen herziehen macht Spass, bringt nur nichts. Desshalb hatte Gregor Woiwode eine Session vorgeschlagen, die sich diesem Problem annahm. Dumm nur, dass zum selben Zeitpunkt die Session mit Johannes lief, bei der es vorrangig darum ging ob denn Psychologie und Softwareentwicklung zusammenpassen. Ja, geneigter Leser, wir sind durchaus in der Lage intelligente Gespräche zu führen und hacken nicht den ganzen Tag auf der Tastatur Zeichen ein. Nein im Ernst, wir haben darüber gesprochen, ob es einen direkten Zusammenhang zwischen Codequalität und der eigenen Persönlichkeit gibt. Das Ergebnis ist klar, oder. Natürlich gibt es einen Zusammenhang. Den gleichen Zusammenhang gibt es auch in der Wohnqualität und Persönlichkeit. Eine unaufgeräumte Wohnung kann auf einen unaufgeräumten Geist schließen, besonders drastisch an den sog. Messiewohnungen zu erkennen.

Direkt ohne Pause, verließen wir vermeindlich die Psychologie und betraten Lagacy Code – Ihhhhhh, sorry für dieses Bild. Die Session, die so vielen unter den Nägeln brannte, dass der Raum brechend voll war. Johannes zeigte sein einfaches Prinzip ohne viel Aufwand ein Metrik für Codequalität zu erhalten. Cooles Prinzip (Signatur Survey), weil leicht nach vollziehbar.

Wir stellten fest, dass nahe zu jeder im Raum schon einmal in der Situation war, in einem alten Projekt ein neues Feature einbauen zu müssen. Im Prinzip nichts Schlimmes, wenn man sich die Scheuklappen aufsetzt und implementiert. Doch auch hier zeigte sich wieder ein Trugschluss, einfach losmachen wollte keiner. Jeder hatte den Anspruch den Code zu verbessern – Jungs und Mädels, lobenswert, aber unsinnig denn,

„Stell dir vor ein Freund bittet dich darum während seins Urlaubes seine Blumen zu Hause zu gießen. Beim ersten Aufschließen musst du feststellen, dass die Wohnung total dreckig und vermüllt ist. Weil es ein Freund ist, möchtest du ihm einen Gefallen tun und räumst auf. Das dies einige Zeit in Anspruch nimmt, vertrocknen die Blumen und auch das Füttern der Katze vernachlässigst du total. Am Ende der Aktion steht eine super aufgeräumte Wohnung, vertrocknete Pflanzen und eine tote Katze.
Beim nächsten Mal wird dich dein Freund, falls ihr noch Freunde seid, nur noch in aller größter Not mit den Worten bitten: ‚… und bring die Katze nicht um'“.

Diese Anekdote wird Sinnbild für meine Entwicklung in brown field Projekten, soviel ist sicher. Und vor allem werde ich Markierungen mit dem Namen „//Don’t kill my cat“ hinterlassen, um mich daran zu erinnern, dass die Aufgabe eine ganz andere ist, als legacy zu bereinigen.

Nach dieser Session war bei mir die Luft raus, gut, es war auch schon nach 14:00 Uhr. Ein wenig netzwerken – uhhh Business is calling uhhhh – und die Abreise vorbereiten. Den mitgebrachten Kollegen hab ich während der Rückfahrt ausgequetscht, was er von all dem hielt. Er war begeistert und positiv überrascht, dass es solche Veranstaltungen gibt. Nächstes Jahr wird er auf jeden Fall wieder dabei sein, womöglich sogar mit eigener Session, immerhin kann er 3D Animation mit Javascript, Hut ab. Zu dumm nur, dass alles so schnell, mit so „wahnsinniger Geschwindigkeit“ vorbei war. Ja, und auch ich spüre noch den IT-Fahrtwind im Gesicht, zehre von zu wenig Schlaf, den ich so gerne gegen die erlebte Zeit eingetauscht habe.

Danke an alle, die ich gesehen, wieder getroffen, kennen gelernt und mit denen ich quatschen konnte. Von mir aus könnte es noch mindestens einen Tag weiter gehen – ach ich Dummerchen, war ich doch erst einen Tag später da.

Hab ich was vergessen zu erwähnen, klar doch, das LeanCoffee vom Dennis, das sehr gute Essen, die Organisation, die anderen Leute, die ich traf, die Unterkunft, die nette Azubine beim letzten Mittag, die nun mit Sicherheit behaupten kann, dass sie weiß warum wir als Nerds bezeichnet werden, und so weiter und so fort… ach und Olga.

Bis zum nächsten Jahr

~janekf

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